Gutmensch.

Symbolbild: Truman

tl;dr: Seid nett zueinander.

Jemanden als "Gutmensch" zu bezeichnen, ist Political-Correctness pur. Denn es ist nichts anderes als ein Synonym für "Arschloch". Warum also nicht gleich "Arschloch" sagen?

Man kann also jemanden, der das Wort verwendet, getrost als Feigling bezeichnen, als Weichling, der sich nicht traut, die Konventionen des guten Geschmack vollends hinter sich zu lassen. Paradox, dass er insbesondere von jenen verwendet wird, denen Political Correctness als das größte Gräuel von allen gilt.

Aber - neben der diebischen Freude, jemanden straflos zu beleidigen - es ist eben auch zu verlockend nicht mehr argumentieren zu müssen. Denn man kann sich darauf verlassen: nach "Gutmensch" kommt allerhand (in der Tat meist Gegenbeleidigungen), nur keine vernünftige Diskussion. Zumindest in Deutschland kann man Godwins Gesetz umformulieren. Der Gutmensch-Sager weiß auch das zu seinem Vorteil zu nutzen: er kann jetzt passiv-aggressiv aufschluchzen: "Seht her!!!" (mit beliebig vielen !) - und ein "Mit denen kann man ja nicht vernünftig reden! Jetzt gehen diesen Ideologen die Argumente aus!" nachschieben.

"Gutmensch" ist das "Sapienti Sat" der "Wird-man-noch-sagen-dürfen-alten-Männer"

Auch Totschlag-Argument genannt, von Leuten, die nicht als "rechtsextrem" gelten wollen, weil sie die vermeintliche Mehrheitsmeinung "links-grün-versifft", "verschwult" oder einfach nur doof finden. Die sich über jeden Satz freuen, den Pirinçci, Sarrazin oder Ulfkotte raushauen, es diesen gleichtun möchten, und dabei nicht verstehen, dass es, zumindest bei Pirinçci, die Sorte Witz ist, die nur einmal lustig ist - und, dass sie - im Gegensatz zu den genannten - nichts daran verdienen. Die keine Alternative bieten, vom anderen Extrem der provozierenden Unhöflichkeit abgesehen. Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand, der diesen Sprachduktus verwendet, an einer konstruktiven Diskussion interessiert ist (zumindest auf Facebook, persönlich sieht es überraschenderweise oft anders aus). Dabei ist die eigene Meinung betoniert, die andere wird nicht mehr gehört, geschweige denn reflektiert. Solche Menschen suhlen sich im passiv-aggressiven Selbstmitleid, sich begeistert mit denen zusammentun, die ebenfalls die Grenze der Höflichkeit hinter sich gelassen haben. Erneut ein Paradox: Höflichkeit fordern sie, ganz "älterer Herr" ganz selbstverständlich ein.

Wobei natürlich gesagt werden sollte, dass das auch für andere Extremisten gilt: mit einem Impfgegner kann man in der Regel genauso wenig über Impfungen diskutieren, wie mit jemandem über Atomkraft, der "Atomkraft - ja bitte" als Profilbild bei Facebook hat (mal im Ernst: man darf ja für Atomkraft sein, bin ich in gewisser Weise ja selber, aber wer seine ganze virtuelle Identität über ein einziges Thema definiert, hat für mich einen an der Waffel ...).

Und noch eine Sache ist auffällig: das Wort wird meistens von alten Männern verwendet. Ich habe mal nachgefragt: Frauen stehen oft ziemlich ratlos daneben und fühlen sich an Szenen auf dem Schulhof oder dem Spielplatz erinnert. Und ich stelle mir immer intelligente, gleichwohl verbitterte Menschen vor, die in der Sache oft Recht haben, deren eigentliches Problem aber der fröhliche, unbekümmerte Optimismus anderer ist. So eine Art Post-Midlife-Crisis.

Liebe "Gutmenschen-Sager" - mal im Ernst

Es gibt vielleicht einige von Euch, denen nicht klar ist, dass sie beleidigend sind. Die das Wort für ein provokantes, ironisches Statement wider die Political Correctness halten. Für euch: "Gutmensch" ist genauso gemein und unhöflich wie "Arschloch".  Sagt es bitte einfach nicht. Oder kommt mit der Antwort klar.

Wenn Eure Mission wirklich das Aufklären - und nicht das Stänkern - ist (egal, ob über die Gefahren des Islam oder die Atomkraft oder das Gender-Mainstreaming): stellt euch das mal andersherum vor: wann hört Ihr wenigstens zu? Und wann wendet Ihr Euch von vorneherein ab? Selbst, wenn der andere nicht Recht hat und/oder falsche Fakten anführt und/oder Euch seine Nase nicht passt: wie überzeugt Ihr? Durch Beleidigungen oder durch Geduld? Es ist eigentlich ganz einfach, oder?

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