Güte ist nicht gut genug.

Viele helfen - wie lange noch?

Stolz kann man durchaus sein, auf ein weltoffenes Deutschland, das Flüchtlinge warmherzig begrüßt. Es ist wichtig, auch andere Bilder zu sehen, als Heidenau und Konsorten. Diesen Eindruck zerstören wir, wenn wir das Thema "Flucht" geistig abhaken und zur Tagesordnung übergehen, denn die eigentlichen Herausforderungen liegen vor uns.

Schotten dicht?

Merkel hat Recht: unsere Gesetze kennen keine Obergrenze - und sie dürfen aus meiner Sicht keinen Handbreit aufgeweicht werden, wie es etwa Söder fordert. Er und seine Parteifreunde "Wasserwelle" Hermann, "Lockendackel" Friedrich und - natürlich - "Drehhofer" Seehofer geben ja im Drehbuch der Kanzlerin den bösen Cop, der die ... nennen wir sie mal beschönigend "Asylkritiker" beschwichtigen soll. Ihre in groben Strichen hektisch an die Wand geworfenen Teufel sind freilich grotesk überzeichnet - dummerweise steckt aber ein wahrer Kern darin. Sich mit diesem ideologiefrei zu beschäftigen, ist die große Herausforderung.

Insbesondere die Frage, warum alle zu uns kommen, wo die Länder um uns herum eigentlich auch ganz schön sind, ist erlaubt. Ebenso die Feststellung, dass diese Länder es sich leisten können, mehr zu tun, als sie es jetzt tun (vielleicht mit Ausnahme von Griechenland ...). Wie übrigens auch die arabischen Staaten. Und: sind wir wirklich so gutgläubig, dass wir mittlerweile schon auf die Registrierung der Menschen verzichten, die zu uns kommen? Wir, die wir unseren Bürgern mittlerweile sogar ins Wohnzimmer nachschnüffeln, weil sie ja gegen die Mindestlohnverordnung verstoßen haben könnten? 

Natürlich: 4.000 IS-Schläfer sind ein Teufel an der Wand, ein ziemlich dumm dreinschauender. Und es gibt kein einziges Faktum, das darauf hindeutet, dass an den Gerüchten etwas dran ist. Aber: können wir es uns leisten, solche Szenarien von vorneherein zu verwerfen? Ich denke nein: biometrische Fotos und Fingerabdrücke verletzen weder körperliche Unversehrtheit noch stellen sie die Würde des Betreffenden in Frage, ebensowenig, wie die gewonnenen Daten einem Background-Check zu unterziehen.

Besser werden!

Wir müssen ganz schnell Profis werden im Umgang mit der Flucht: schnellere Prozesse, bessere Unterbringungsmöglichkeiten, Registrierung, Risikomanagement. Wir können das: wir sind schließlich Deutsche. Dazu gibt es konkrete Vorschläge, und sogar Bund und Länder verstehen langsam, dass sie das Problem nicht nur auf Kommunen und Ehrenamt schieben können.

Dann müssen wir, viel stärker als bisher, die Ursachen der Flucht bekämpfen. Dazu wurde ausreichend gesagt, ob von Dirk Niebel oder Alexander Graf Lambsdorff.

Und schließlich kommen wir nicht umhin, Paradigmen in Frage zu stellen: das Ziel einer Integration ist vermutlich für weit mehr als zwei Drittel der Ankommenden nicht sinnvoll: sie werden entweder abgelehnt oder wollen nach Hause, wenn die Krise dort vorbei ist. Bei uns wird aber viel Geld für eine Integration ausgegeben, die gar nicht nötig ist. Wohlgemerkt: auch diese Menschen müssen menschenwürdig behandelt werden, auch diese Menschen müssen wir ausbilden, auch diesen Menschen müssen wir die Spielregeln unseres Landes nahe bringen. Aber das geht mit weniger Geld, wenn ich diese Bemühungen nicht auf Integration abstelle.

Ich möchte ein Leuchtturm sein ...

Natürlich ist es schön, wenn Deutschland den vielen Menschen auf der Flucht als Leuchtturm gilt. Ich fände es nur schöner, wenn Europa dieser Leuchtturm wäre. Und zwar nicht, weil die tollen Deutschen den Oberlehrer gespielt haben, sondern "aus sich heraus". Denn hier geht es nicht um Standortmarketing im Tourismus, und auch nicht um ein Sommermärchen, hier geht es um Menschenleben. Paradoxerweise trägt das Bild vom "Leuchtturm Deutschland" nicht zwingend dazu bei, innerhalb der EU eine gute Stimmung zu erzeugen: "Da wollen uns die Deutschen mal wieder zeigen, wie es geht!" - und das macht es mittelfristig schwierig, sich solidarisch zu erklären. Und so bleibt Europa in seiner Gesamtheit hinter seinen Möglichkeiten weit zurück.

Update 14.9.2015: Um im Bild zu bleiben - wir haben gestern im Leuchtturm das Licht ausgemacht, nachdem die Schiffe sich auf den Weg gemacht haben. In der realen Welt würden nun Schiffe an Klippen zerschellen - und der Leuchtturmwärter würde ordentlichen Ärger bekommen. 

Winter Is Coming.

Und schließlich: sich am Bahnhof ins Spalier einzureihen, zu klatschen und vielleicht feierlich einen Teddy zu überreichen, ohne sich danach dauerhaft in der Flüchtlingshilfe zu engagieren, nenne ich Gratismut. Es muss sich erst erweisen, wieviele noch da sind, wenn am 30. Sonntag in Folge 15.000 Menschen am Hauptbahnhof München ankommen. Wenn wir den kommenden Winter mit Anstand überstanden haben, dürfen wir mit noch mehr Recht stolz sein.

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