Die Muslimin in der Stormtrooper-Maske

Burka et al.

Ich verachte Männer, die Frau zwingen, eine Burka (oder Niquab, whatever ...) zu tragen (oder zu irgendetwas anderem). Ich finde - ehrlich gesagt - auch den selbstbestimmten Wunsch von Frauen, eine zu tragen, verstörend. Ich würde sogar sagen, dass ich in diesem Zusammenhang den ziemlich spießigen, reaktionären Impuls des "das gehört hier nicht hin" verspüre.

Soll der Kram daher in der Öffentlichkeit verboten werden? Ganz sicher nicht. Unsere bestehenden Gesetze zum Vermummungsverbot sind absolut zureichend aus Sicht der Sicherheit. Und einen Menschen gegen seinen Willen zu etwas zu zwingen, ist ohnehin verboten.

Ein Verbot ist also zunächst nichts anderes als eine Beschränkung von Freiheit: solange ich nicht gegen das bestehende Vermummungsverbot verstoße, möchte ich herumlaufen dürfen, wie ich will. Batman-Maske, Stormtrooper-Helm, Guy-Fawkes-Maske - das geht keinen was an. Und was macht - nüchtern betrachtet - eine Burka anders als eine Stormtrooper-Maske? Nichts.

q.e.d.

Aber: ich finde auch, dass es jedem Menschen freisteht, seine Verstörtheit zum Ausdruck zu bringen, verbal oder nonverbal. Den Herren, der vor der verschleierten Dame einherstolziert, durchaus mal ansprechen, wenn man nicht zu feige ist. Durchaus mal mit dem örtlichen Imam das Gespräch suchen und öffentlich machen. Ja, das kostet alles Überwindung, Zeit und Nerven. Aber das wäre der angemessene Weg des Liberalen, den etwas stört: nicht nach dem Staat rufen, sondern selber Verantwortung übernehmen.

Und: es sollte dem Staat (und jedem anderen Arbeitgeber) erlaubt sein, seinen Mitarbeitern sogar die "zivileren" Varianten Tschador und Hijab zu verbieten, solange das Verbot nicht negativ diskriminierend ist. Das nennen wir Hausrecht und Vertragsfreiheit.

Die Burka (et al.) ist ein Symbol. Ein Symbol zu verbieten, ohne das Problem zu adressieren, ist genau das: Symbolpolitik. Denn das eigentliche Problem ist ja nicht die Burka, sondern die Tatsache, dass darunter in der Regel ein unfreier Mensch steckt, der durch ein Burkaverbot keinen Millimeter freier wird. Symbolpolitik setzt uns ins Unrecht und leistet denen Vorschub, die unsere Art zu leben kritisieren. Und das ist völlig unabhängig davon, ob man als Problem nun "zuviele Fremde hier" der "besorgten Bürger" identifiziert hat, oder die "fehlerhafte Integrationspolitik" der "Gutmenschen".

Noch ein Gedanke: wenn nun Burkas verboten werden, würde ich als gewitzter Frauenunterdrücker meiner Frau in der Öffentlichkeit einfach eine Stormtrooper-Maske aufsetzen.

Und ein allerletzer Gedanke: die Diskussion erinnert mich an "löschen" vs. "sperren" von gesetzeswidrigen Internet-Inhalten. Liberaler Konsens war hier sehr eindeutig "löschen", weil "sperren" eben auch nur Symbolpolitik gewesen wäre. Lasst es uns doch hier ebenso handhaben, bitte.

Nachtrag: Argumente für ein Burkaverbot

"Ich möchte das nicht (sehen)"

Über dieses Argument bin ich jetzt ein paarmal gestolpert - mit großem Abstand halte ich das für das schwächste und angreifbarste Argument. Seit wann kümmert die subjektive Empfindung Einzelner den Gesetzgeber? Selbst, wenn eine Mehrheit so empfinden würde, würde daraus kein Handlungszwang für die Legislative resultieren: die Mehrheit möchte ja auch nicht tagtäglich mit Arschlöchern zu tun haben - und kann gleichwohl herzlich wenig dagegen ausrichten. Abgesehen davon muss ich bei dieser Formulierung immer an Hape Kerkeling denken ...

Wir laufen ja auch nicht halbnackt durch Arabien

True. Und das tun wir aus mehreren Gründen nicht, u.a., weil wir wissen, was sich gehört. Aber auch dort, wo es explizit verboten ist: müssen wir uns wirklich die Gesetzgebung unfreier Nationen zum Vorbild nehmen? 

 

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