Der Herr Pispers und das Geld.

Volker Pispers, Archetyp des zynischen Studienrates ... er beobachtet richtig (das Geldsystem funktioniert in der Tat so, wie er es am Anfang beschreibt), schlussfolgert jedoch falsch - und bietet keine Lösungen.

Im Video erläutert er, wie das so funktioniert, mit der Schöpfung von Geld, der Eigenkapitalquote bei Banken, mit Schulden machen und nicht zurückzahlen können. Und den Geschäften, die Banken machen, um ihre Risiken zu minimieren. Am Ende tut er dann das gleiche wie ein Asylkritiker, der an den Gemeinsinn appelliert mit den Worten "Das ist Betrug auf Kosten der Steuerzahler!"

Aber: wird der Steuerzahler wirklich betrogen? Einigkeit besteht darin, dass er insgesamt zu viele Abgaben leistet. Und das sind Umlagen:

  • für Straßen ("Zum Wohle aller!")
  • für Sozialversicherungen ("Zum Wohle aller!")
  • und eben für ein Geldsystem ("Zum Wohle aller!")

Die Erkenntnis, dass das Geldsystem allen nützt, ist trivial: Jeder, der ein Konto besitzt, mal einen Kredit in Anspruch nimmt, ein Haus baut, Aktien kauft oder auch nur einen Sparbrief, jeder, der mal ein Brötchen kauft und Geld für seine Arbeit bekommt ... also wirklich jeder. Und weil der Staat der Ansicht ist, dass dieses Geschäft so systemrelevant ist, dass man es mit allen Mitteln schützen muss, greift er ein, bevor eine Bank pleite geht, wie die Sozialversicherung einspringt, wenn der Arbeitnehmer krank wird und nicht mehr arbeiten kann. Die Rettung einer Pleitebank kann man also durchaus als Leistung einer Versicherung betrachten, deren Prämien über die Steuern bezahlt werden. Der "Schaden" des Steuerzahlers ist von vorneherein eingepreist. Gegenleistung für die heldenmütige Rettung durch den Staat ist: Kontrolle. Weniger Marktwirtschaft.

Jetzt stelle ich die Frage: sind die Banken "böse" - oder der Staat?

An die "Schuld der Banken" glaube ich nicht: es wird immer so getan, als wären das Entitäten, die aus sich heraus böse sind. Sind sie nicht, sie können das auch gar nicht (Menschen sind böse). Banken handeln im Rahmen ihrer Rolle, manche besser, manche schlechter. Der Konstruktionsfehler ist, dass sie immer wieder gerettet werden: sie kommen mit immer absurderen Vehikeln zum Shareholder-Value, weil sie damit durchkommen, auch, wenn es schiefgeht - sie werden ja gerettet! Bestraft wird vielleicht symbolhaft einer der Manager, der es vielleicht ein bisschen zu doll übertrieben hat - aber das ändert ja nichts am System!

Es mag paradox klingen: der Ansatz, Banken noch mehr kontrollieren zu wollen, ist exakt falsch. Lasst sie (und ihre Kunden und Shareholder) Verantwortung übernehmen und sie auch mal Pleite gehen. So bilden sich automatisch Strukturen, die man verstehen kann, bevor man ein Risiko eingeht. So wird man als Anleger, der sein Geld auf die Bank trägt, eben sehr genau hinschauen, welche Geschäfte die Bank macht, wenn es keine gesetzliche (nicht privatwirtschaftlich organisierte!) Einlagensicherung mehr gibt - das dürfte insbesondere überschaubare, kleinere Strukturen stärken (Regionalbanken, ja sogar regionale Geldsysteme, zum Beispiel auf Blockchain-Mechanismen beruhende Währungen).  

Abstrakt gesprochen kann man also durchaus sagen, dass das aktuelle Geldsystem sozialistisch ist: durch das System aus Kontrolle und Rettung folgt der Zwang, immer absurdere Refinanzierungsmittel zu schaffen, werden große Strukturen begünstigt und der Kontrollierende (Staat) bekommt eine immer größere Rolle im Spiel. Das ist zentralistisch, kollektivistisch und letztlich sozialistisch. Wenn jeder Marktteilnehmer ein wenig mehr Verantwortung übernehmen würde und sagen würde: "Staat, halt Dich raus!", würden viele Probleme des "bösen" Kapitalismus auf einen Schlag gelöst.

Geld und Staat

Und noch ein kleiner Gedanke: wer sagt eigentlich, dass Geld zwingend von Staaten reguliert werden muss? Bitcoin ist wohl eher als Proof of Concept zu verstehen, aber das dahinter liegende Konzept der Blockchain (bitte googeln) ist durchaus geeignet, liberale, ja libertäre Phantasien von einem auf das Wesentliche reduzierten Staat zumindest realistischer erscheinen zu lassen:

  • Grundbücher müssen nicht mehr staatlich verwaltet werden
  • Es kann einen Wettbewerb der Geldsysteme geben
  • Vertragsfreiheit bekommt einen höheren Stellenwert
  • ...

Zurück

 

Social

Suche

Kontakt

Was ist die Summe aus 9 und 6?
ganz nach oben